Electric Counterpoint
Martin Bayer
1987 schrieb Steve Reich Electric Counterpoint für den Jazzgitarristen Pat Metheny. Es ist das dritte einer Reihe von Werken, in denen ein*e Solist*in gegen die eigene, zuvor aufgenommene Stimme antritt – nach Vermont Counterpoint für Flöte und New York Counterpoint für Klarinette. Metheny selbst spielte die Uraufführung und half Reich, das Stück idiomatisch für die Gitarre zu schärfen.
Das Prinzip ist so verblüffend wie einfach: Der oder die Solist*in nimmt bis zu zehn Gitarren- und zwei Bassstimmen vorab auf und spielt live die elfte Gitarrenstimme dazu. Aus dieser Selbstbegegnung entsteht ein dichtes Geflecht aus ineinander verschränkten Kanons – ein*e einzige*r Musiker*in wird zum vielstimmigen Ensemble.
Das rund fünfzehnminütige Werk gliedert sich in drei nahtlos verbundene Sätze. Der erste, schnelle Satz baut über einem pulsierenden Fundament ein Thema auf, das Reich der Hornmusik der Banda-Linda aus Zentralafrika entlehnte. Aus diesem Thema entstehen im vielstimmigen Kanon Muster, die sich gegeneinander verschieben, bis neue Melodien hervortreten, die niemand einzeln spielt. Der zweite, langsame Satz halbiert das Tempo, wechselt die Tonart und entfaltet ein neues Thema, das sich ruhiger und weiter durch die Stimmen zieht. Im dritten Satz kehrt der treibende Puls zurück – nun wechseln die Bässe zwischen Tonarten und Metren hin und her, sodass der Rhythmus immer wieder neu kippt und das Stück zu einem mitreißenden Finale beschleunigt.
Tipp Electric Counterpoint erklingt um 14:00 Uhr im Metahofpark. Bringen Sie Sitzgelegenheit, Snack und Getränk mit – hier wird Minimal Music zum entspannten Open-Air-Erlebnis.
METAHOFPARK, Metahofgasse/Babenbergerstraße
Minimales Woodstock Electric Counterpoint for Electric Guitar & Tape [bring your seat, snack & drink]
Martin Bayer, e-guitar
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